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ESSLINGEN AM NECKAR

            

    
Esslingen – das ist mehr als eine Ansammlung von Dächern, mehr noch als ein industrielles Ballungsgebiet am Mittleren Neckar: Esslingen war Jahrhunderte lang ein „Reichsstädtchen für sich“, mit einem eigenen „Geschmäckle“ und führt noch heute das Zeichen „Civitas Esslingensis“ (CE) in seinem Stadtwappen. An die große Vergangenheit – und diese reicht weiter zurück, als die des nahen „Stutengartens“ – erinnern die einstigen Pflegehöfe auswärtiger Klöster, die ansehnlichen Fachwerkhäuser sowie Stadttore und Mauern. Das meiste ist anheimelnd und Gebrauchsgegenstand zugleich. Von jeher huldigte man der Mäßigkeit – wahrscheinlich wählte man für die Rathausuhr daher die Temperantia.
Das besondere dieser Stadt ist das unmittelbare Nebeneinander von Kunst und Industrie: Hier - herrliche gotische Kirchen, altes Fachwerk und dort – Fabrikanlagen Esslinger Unternehmen, einst aus dem Nichts gegründet und heute weltbekannt.

Durch die Gebietsreform wächst die Einwohnerzahl der Stadt ständig, nähet sich der Grenze zur Großstadt. So bleibt es nicht aus, dass auch die Landschaft in Mitleidenschaft gezogen wird.

Noch wachsen Reben auf den Hängen der Neckarhalde,Krautköpfe aufden Fildern, noch finden Erholungssuchende ruhige Oasen auf dem Schurwald.
Aber wie lange noch?    
 
Esslinger Burg – Ein Idyll
 
 Viele nennen sie das ehrwürdigste Bauwerk der Stadt und eines ihrer wertvollsten Baudenkmäler. Das Wahrzeichen ist die Burg ganz sicher.
In Wirklichkeit ist sie nur dem Namen nach eine Burg – ansonsten aber nur ein Teil der ehemaligen Stadtbefestigung aus dem 13. Jahrhundert.
Der Dicke Turm
mit seiner breitenbehäbigen Haube, links davon das Wächterhäuschen – die Hochwacht genannt – beide verbunden durch den Wehrgang. Von dort oben hat man den schönsten Ausblick auf Esslingen.
Zwischen den beiden Schenkelmauern wächst der städtische Burgwein, köstliche Ruländer und Burgunder.
Burgsteige und Burgstaffel verbinden die Innenstadt mit der Burg. Im sogenannten „Pferrich“ , wie die Esslinger früher die Burganlage nannten, gibt`s auch noch den „Kanonenbuckel“ mit ein paar Geschützen.
Es gibt noch das „Mélac-Häuschen“ – benannt nach dem französischen General Mèlac.
Altehrwürdig nennt man die Burg. Dicker Turm und „Mèlac-Häuschen“ datieren aus dem 16. Jahrhundert, die Hochwart aus dem 18. Jahrhundert.
Auf dem „Äußeren Burgplatz“, einem weitläufig grünen Areal, gastierten in den früheren Jahren Zirkus, Karusselle und Auto-Scooter. Dann wurde dererlei Lustbarkeit den Nachbarn zu laut.
 
Auf dem „Inneren Burgplatz“ fanden Kinderfeste, Kirmes, Preisschießen und Reitturniere statt. Modenschau, Lagerfeuer, Schillerfest, Jazzfestival und Sängertreffen ebenso. Er dienste als Festplatz, Freilichtbühne und Obstwiese.
Selbst der „Große Zapfenstreich“, den ich dort selbst mal erleben durfte wurde dort aufgeführt. In einem herrlichen Rahmen des Burghofes. Noch heute bekomme ich eine Gänsehaut, wenn ich daran denke.
Heute finden nur noch selten Veranstaltungen statt. Man ist versucht der Burg einen neuen Sinn und Zweck zu geben. Eine Menge Vorschläge wie z.B: Legoland, Rosengarten oder Abenteuerspielplatz stehen zur Debatte – aber man mäht das Gras, repariert die Mauern und unser
„Dornröschen“ – wie man die Burg auch nennt,
schläft weiter den Schlaf der Gerechten.

    

  

  

                                          
Altes Rathaus
 
Es gilt als eines der schönsten Fachwerk-Rathäuser Deutschlands aus der
Zeit vor 1500.
Eine Giebelseite wurde mit dem rustikalen Fachwerk dem Typ „Schwäbischer Mann“ belassen, das an Mächtigkeit seinesgleichen sucht.
Im Kontrast zur derben Fachwerkkonstruktion hat Heinrich Schickhardt 1586-1589 der Nordseite einen geschwungenen Giebel aufgesetzt. Eine noble, bescheidene Renaissance.
Die astronomische Uhr fertigte der Tübinger Meister Jacob Diem 1592 und das Glockenspiel stammt aus dem Jahre 1926 gestiftet von Esslinger Bürgern, nachdem ein tatkräftiger Stadtbaumeister das Alte Rathaus vor dem Verfall gerettet hatte. Bei jedem Stundenschlag schlägt der Reichsadler mit den Schwingen,
 alle Viertelstunde bewegen sich die beiden Tugenden Justitia und Temperantia.
Erklingen zur Mittagsstunde das Lied „Üb immer Treu und Redlichkeit“ und zur Abendstunde „Ade nun zur guten Nacht“ überkommen den alten Esslinger Heimatgefühle.
Das ehemalige Kauf- und Steuerhaus gilt heute als Meisterwerk hoher Zimmermannskunst.
Neues Rathaus
 
Es hat viel vom Geist des böhmisch-österreichischen Barocks. 1748 wurde das Gebäude erstellt, 1831 vom Grafen Alexander von Württemberg von der Familie Palm gekauft. 1840 ging es in städtischen Besitz über.
Heute hat der Oberbürgermeister einen Sitz in diesen Hallen, wo früher der Kaiserliche Rat, Franz Gottlieb von Palm zuhause war.

Frauenkirche
 
Als Sehenswürdigkeit von überregionaler Bedeutung gilt diese Kirche. Die hochgotische Hallenkirche erbaut Anfang des 14. Jh. gab wesentliche Impulse für die reichsstädtische Baukunst in Schwaben. Der Entwurf des Langhauses und des 72 m hohen Turms stammt von Ulrich von Ensingen um 1398. Der grosslinige lichte Innenraum mit seinen pflanzenhaft aufsteigenden Säulen ist von großem Eindruck. Außer den Apostelfiguren im Schiff und den Glasfenstern im Chor sind besonders sehenswert die Reliefs über den beiden Südportalen: das Marienleben über dem Südostportal und das Weltgericht über dem Südwestportal.    
 
Maille
Irgendwann einmal kommt der Tag, an dem ein Esslinger Bürger das Wort Maille aussprechen muss. An dieser Aussprache lässt es sich erkennen ob es sich um einen Waschechten oder einen Raig`schmeckta handelt. Man muss nämlich Mallje sagen.
Hierbei handelt es sich um eine Grünanlage mitten in der Stadt zwischen dem Roßneckar und Wehrneckar. Im 17. Jahrhundert wurde dort ein Krocket ähnliches Spiel namens Paille Maille gespielt.
Der Name des Spiels ist am Spielplatz hängen geblieben.
 
Weitere Sehenswürdigkeiten Esslingens – kurz beschrieben
 
Stadtkirche St. Dionys   
Die südliche Turmhalle der Oberkirche ist nach 1213 erbaut worden. Der Turmbau wurde um 1310 beendet.
Der Nordturm war nach 1275 fertig. Bau des Langhauses gegen 1260.
Wesentliche Zubauten im 14. und 15. Jh. : Sachsenkapelle um 1380, Langschiffverlängerung nach Westen 1437
Die farbenprächtigen Glasfenster im Chor – gefertigt von einer Esslinger Werkstatt um 1300 – gehören zu den schönsten in ganz Süddeutschland.    
 
Franziskaner-Kirche
“Anno domini 1237 nos frates minores intravimus hanc civitatem Esslingensem ad manendum“ – an einem Strebepfeiler heute noch zu lesen.
 
St.-Pauls-Kirche
Älteste gewölbte Bettelordenskirche Deutschlands.
Grundsteinlegung 1233.
1268 Weihung der Dominikaner-Klosterkirche durch Albertus Magnus
Nikolauskapelle 
Einzig erhaltene von 17 Esslinger Kapellen.
Erbaut ca. 1300
Zuerst Brückenkapelle, danach Verkaufsstand.
1822-1848 Werkstätte der heutigen Werkzeugfabrik Friedrich Dick
ab 1880 Aufbewahrungsort von Altertümern
seit 1956 Gedenkstätte
Pflegehöfe
Esslinger hatte als einzige unter den altenneckarschwäbichen Städten alle vier Bettelorden in seinen Mauern, außerdem noch zwei Frauenklöster.
Von allen elf Pflegehöfen ist vor allem noch der „Bebenhäuser Hof“ in der Heugasse zu nennen. Ein Steinhaus von 1232 mit einem in roten Sandstein ausgeführten Klosterwappen und einer barocken Eichenholztür in gotischem Bogen.
„Hof des Domkapitels Konstanz“ (1327) in der Webergasse
„Hof des bayrischen Zisterzienserklosters Kaisheim“ auch „Klösterle“ genannt (1298) am Aufgang zur Burg
 
„Salemer Hof“ (1229)  
Das einstige Kloster enthielt einen Pfleghof. Im Baukern sind spätromanische Bauteile noch heute sichtbar. Kaiser Karl V. stieg bei seinen Besuchen in diesem Gebäude ab.
Reste der Hauskapelle im gotischen Stil sind noch erhalten. Seit 1682 im Besitz des Landes Württemberg. Daraus machte der Staat ein Gerichtgefängnis. Die letzten Hinrichtungen erfolgten im Jahr 1858 und 1866. Seither nennt man es auch „Das Kriminal“.
 
St.-Klara-Hospital
Ehemaliges Clarissenkloster (1353). Die Klosterfrauen gehörten dem Barfüßer-Orden an.
1536 wurde das Kloster Spital und Armenkasten. 1674 Lazarett, 1818 Kranken-und Armenanstalt.
Seit 1921 ist es das „Städtische Altersheim Obertor“.
 
Landolinshof
1846 Einweihung der städtischen Hofanlage
Nach 1900 wurde das Haus mit Jugendstil-Zutaten renoviert.
Von 1957-1973 Unterbringung der Grafischen Sammlungen der Stadt Esslingen
 
Kilmeyersche Haus
Einstige Kelter des Esslinger Spitals, welches bis 1811 mit anderen ebenso stattlichen Gebäuden den ganzen Marktplatz füllte. Im Erdgeschoß Renaissance-Pforten, daneben die Jahreszahl 1582 (Erbauungsjahr des Gebäudes) und das spitalische Wappen der Hl. Katharina von Alexandrien sowie ein habsburgischer Doppeladler.
 
 
Kesslerhaus    
Der ehemalige Speyrer Pfleghof stammt noch aus den Anfangszeiten der Stadt. Nachdem St. Dionys 1547 wieder Stadtkirche geworden war, diente das Gebäude als Kirchenkasten wie das Wappen über dem größeren Renaissance-Eingang zeigt und als Pfarrhaus.
1826 gründete Georg Christian Kessler hier die älteste deutsche Sektkellerei.
Schelztor 
Erstmals erwähnt 1241
Von der alten Stadtbefestigung sind nur noch wenige Reste übrig geblieben. Dazu gehört das Schelztor – benannt nach der Familie Schelch – aus schweren Buckelquadern
Wolfstor 
Spezifische Stauferkunst findet man in mittleren Neckartal so gut wie gar nicht mehr. Eine Ausnahme ist das Wolfstor (1268 erstmals als Oberesslinger Tor genannt), durch das die große Handelsstraße vom Rhein an die Donau führte. Die Bedeutung als Ausfalltor entspricht für die schwere trutzige Markierung an der Außenseite: zwei Stauferlöwen, im Stile ausklingender Romantik mit gereihten Zöpfen als Mähne.
Pliensaubrücke
Nur drei Pfeiler stammen noch aus ihrer Erbauungszeit 2 oder 3 Jahrzehnte vor der ersten Nennung im Jahre 1259. Sie ist die älteste Brücke im süddeutschen Raum.
Pliensauturm
Erbaut 1280
Geschichte
Im Jahre 777 vermacht Abt Fulrad die Esslinger Vtalis-Zelle dem Kloster Saint-Denis bei Paris.
Wo im Neckartal in den Jahrhunderten zuvor Kelten, Römer und Alemannen siedelten, werden Zelle und Furt Kristallisationspunkte der Besiedlung. 886 erhält „Hestilinga ub Pago Nechragawe“ das Marktrecht. Aufschwung von Handel und Gewerbe. Seit 778 ist der Weinbau als tragende Säule der mittelalterlichen Esslinger Wirtschaft nachgewiesen. Bald ersetzt eine Steinbrücke die Furt (Pliensaubrücke). Münzstätte: Um 950 weisen „Esslinger Pfennige“ den Ort als herzoglich-schwäbischen Besitz aus. Im 12. Jh. wird das 1219 erstmals urkundlich als Stadt erwähnte Esslingen staufischer Verwaltungsmittelpunkt. 1246 Beginn der jahrhunderten langen Erbfeindschaft zwischen der Freien Reichsstadt und den Grafen von Wirtemberg. Im „Schwäbischen Städtekrieg“ im Jahre 1312 kann die damals größte Stadt Innerschwabens ihr Gebiet erheblich ausdehnen. Die Wirtemberger kapitulieren. Stuttgart, Waiblingen und Schorndorf unterwerfen sich. Nach dem „Esslinger Krieg“ (1316) weitgehender Verlust territorialer Vorteile. Durch die Niederlage im Großen Städtekrieg (1449-1454) sinkt Esslingens politischer Einfluß. Vom Jahre 1473 bis zum Ende der Reichsstadtherrlichkeit werden mit den Württembegern Schutzverträge abgeschlossen. 1531 Einführung der Reformation durch Ambrosius Blarer. Den Dreißigjährigen Krieg und mehrere Franzoseneinfalle (Mèlac) übersteht Esslingen ohne großen Schaden. 1701 äschert ein Brand Teile der Innenstadt ein. 1803 kommt Esslingen zu Württemberg. Industrialisierung im 19. Jh. bringt beachtlichen wirtschaftlichen Aufschwung. Im Zweiten Weltkrieg bleibt die Stadt von Zerstörungen weitgehend verschont.
 
Allgemeines

Die ehemalige Freie Reichsstadt Esslingen liegt zwischen 232 und 499 m über N.N. eingebettet im Neckartal zwischen Filderebene und dem Schurwald, umgeben von Weinbergen.
                                
              Filderebene              Spitzkohl das berühmte "Filderkraut"
Esslingen blickt auf eine über 1200 Jahre alte Geschichte zurück.
Die Stadt zählt etwa 92.300 Einwohner. Esslingen ist Kreisstadt.
Einwohner leben im Kreis ca. 513.000
Amtsgericht, Handwerkskammer und die Hauptgeschäftsstelle der IHK Mittlerer Neckar sind im Ort.
Rund ein Viertel der Gemarkung ist überwiegend von Mischwald bedeckt, den grünen Rest bilden Baumwiesen (im Württembergischen „Gütle“ genannt), Gemüsefelder, Schrebergärten und ca. 95 ha. Weinreben.

 

Neckartal umgeben von Weinbergen

Wirtschaft
Die Unternehmenspalette ist breit. Sie reicht von weltbekannten Firmen bis zum mittelständischen Betrieb.
Hergestellt werden vor allem Rammen, Pressen, Präzisionswerkzeuge, Metallwaren, Elektromotoren, früher auch die bekannten Hirschmann-Antennen.
Der größte Hersteller von Autostandheizungen ist ebenfalls noch in Esslingen beheimatet. Die wohl bekannteste Sauerkonservenfabrik „Hengstenberg“ befindet sich ebenfalls in Esslingen.
                                    

       

Hengstenberg Weinessig    Hengstenberg "Mildessa" Sauekraut  aus Filderkraut

Daimler, Müller Weingarten, Eberspächer, Delmag möchte ich als alteingesessene Firmen nicht vergessen.
Gute Einkaufmöglichkeiten in der Esslinger Innenstadt, im neuen „ES“ und eine Fußgängerzone in der Bahnhofstrasse machen das Einkaufen noch attraktiver.
 
Museen, Galerien und Archive sind in Esslingen ebenso zuhause wie das ehemalige Stadttheater, die heutige WLB Württembergische Landesbühne.
Grund- und Hauptschulen, Realschulen und diverse Gymnasien, eine Pädagogische Hochschule, eine Fachhochschule (früher Ingenieurschule) sowie eine Technische Akademie und die Evangelische Kirchenmusikschule sind ebenfalls vertreten.
 
Bis zur Autobahn Karlsruhe bzw. München sind es 8 km, zum Flughafen Echterdingen (man nennt ihn auch Stuttgart) 16 km.  
Über die B 10 ist Stuttgart in kürzester Zeit anzufahren.
Die nächsten Häfen sind Stuttgart und Plochingen. Die Bundesbahnstrecke Stuttgart – Ulm zählt zu den stärksten befahrenen Deutschlands.  
  
Umgebung  
 Blick vom Schurwald auf die Schwäbische Alb
Das beliebteste Ausflugsziel der Esslinger ist das „Jägerhaus“ am Schurwaldrand. Außer einer 1729 gegründeten Gaststätte

                     

           damals "Zu den 3 Linden"                   heute "Hotel Jägerhaus"
und mehreren Ausflugslokalen findet man dort an der Römerstrasse einen großen Waldspielplatz, Trimm-Dich-Pfade, Segelflugplatz, Reitbahn, Tennisplatz, Waldlehrpfad und Sportanlagen.

Dulkhäusle

Auf der Oberesslinger Neckarinsel befindet sich der „Nymphea-Kleintierpark“ – weitere Ausführung auf meiner Oberesslinger Seite
Gerne besucht wird auch das nahe Remstal – ein wohl gut bekanntes schwäbisches Weinbaugebiet.

      

 Herbstliches Remstal         Strümpfelbach

  
Was ich nochsagen wollte: ich habe die Bilder von meinen Fotos, Ansichtskarten, Bilder von Verwandten und auch vom Internet auf diese Seite gebracht. Sollte ich jedoch einmal ein "copyright" übersehen haben, geschah dies nicht mit böser Absicht. Bitte teilt es mir mit und ich werde das Bild dann sofort von meiner HP nehmen.
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